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Erfahrungsbericht von Ralph Dittmar
Ironman 70.3 Wiesbaden
... warum er dieses Jahr nur aus Schwimmen bestand

Der härteste halbe Tag aus Sicht von Ralph
Sonntagmorgen der 15te August 2010 - 5:00 Wecker klingelt... habe ganz gut geschlafen... glaube ich.... erster Gedanke, warum geht eigentlich der Wecker? Dann fällt es mir wieder ein und gleichzeitig das klasse Gefühl, dass du überhaupt keine Ahnung hast, was heute passiert. Durch einen klassischen Anfängerfehler und den daraus resultierenden Rückenschmerzen konnte ich die gesamte letzte Woche nicht trainieren... Ich soll heute Sport machen, lieber Körper... richte dich gefälligst darauf ein.
Es hilft nix - aufstehen, eine Miniportion Cornflakes mit Banane reingedrückt und noch ne Flasche Carboloader - was festes geht eh nicht.
5:45 - stelle fest, dass ich viel zu früh aufgestanden bin. Anja, Micha und Roli holen mich erst um 6:45 Uhr ab. Also gehe ich die Sachen zum x-ten Mal durch und warte..
Pünktlich geht es los Richtung Wiesbaden.... die Stimmung ist ausgelassen, angespannt... und a bisserl irreal
7:30 Ankunft am Schiersteiner Hafen und es regnet.
Nachdem wir vom Parkplatz zum Hafen laufen, kommen uns schon die ersten "Abbrecher" entgegen. Roli fängt auf einmal an über diese Idee nachzudenken, nachdem eine Erkältung bei ihm im Anflug sei. Da wir aber alle unseren Roli kennen, wusste ich, dass er jetzt zwar eine Zeitlang, sagen wir mal seine Meinung kundgibt; aber eine ernsthafte Gefahr, dass er heute nicht Antritt, nicht besteht. (Anm. gemeinsames Anmelden vor einem Jahr; absolvieren von gemeinsamen Mini-Trainingslager; wöchentliche, detaillierte Berichte über der Trainingsverlauf der letzten Trainingswoche, und das über Monate und natürlich der Ehrgeiz diesen Event gemeinsam als Neuland zu betreten und zu bestreiten).
Angekommen vor der Wechselzone, ziehen wir unseren Neo an und verabschieden uns, nun doch merklich und auch für andere ersichtlich :-) nervös von unseren Mädels.
Als wir die Sachen für das Rad und den Wechsel vorbereiten, regnet es ausnahmsweise nicht und wir können uns die Sachen strategisch zurecht legen. Wir gehen noch einmal nervös zu unseren Zaungästen, verabschieden uns und laufen dann Richtung Schwimmstart - allerdings nicht ohne uns auf dem Weg dorthin kurzzeitig zu verlieren :-)
Habe ich schon erwähnt ? Es hat wieder angefangen zu regnen...
In der Startbox der Schwimmer bekomme ich auf einmal gehörigen Respekt vor der ganzen Sache und habe beschlossen, alles geplante über den Haufen zu werfen und einfach loszulegen.
Allerdings hindert mich die Zeiteinteilung daran.... Ich will jetzt nur noch los.... und dann hieß es alle hellgrünen Kappen ins Wasser.... yes... leider mussten wir dann noch 5 min im Wasser warten.
Los geht’s.... viel Platz, noch kein Tritt abbekommen und das nach ca. 600m... es gab nur ein paar Algen und einige leichte Kopfnüsse... nach ca. 39 min raus aus dem Wasser und ich dachte noch... bisserl langsam, aber dann kamen die Rufe von Anja und Micha und ich dachte "Scheiß drauf" - ab zur Wechselzone...
Habe ich schon erwähnt? Es regnet ununterbrochen...
Roli wollte sich komplett im Zelt umziehen, ich ging zum Rad... leider waren die Sachen ein wenig nass und ich habe nach ca. 5 min aufgegeben, meine knallengen Sachen (Triathleten sind ja eitel) vor Ort anzuziehen und beschlossen, das auf dem Rad zu erledigen... (Anm. Du darfst die Wechselzone nicht ohne aufgesetzten Helm verlassen, bei oben ohne sagt aber keiner was). Habe dann ca. 10 km gebraucht, um mich zu sortieren, anzuziehen und meine Uhr wieder von der Strasse aufzulesen.
So, dachte ich, jetzt geht’s los... gar nicht so schlecht, habe noch ca. 2 km, bevor es in die Berge geht... Das langt um mich einzukurbeln :-)
Was liegt vor mir.... 19 km und ca. 800 Höhenmeter... Zwischenziel Springen, da wusste ich... langsam treten und bloß keine Körner verschießen.
Übrigens: der Regen wird stärker...
Links und rechts Kollegen, die ihre Räder flicken, ganz schön viele denke ich nur... da kommt auch schon der erste Kranken-wagen... na toll, fahr bloß langsam bei dem Regen (habe ich übrigens extrem im Vorfeld eingehämmert bekommen). Gesagt, getan...
Ankunft in Springen nach 1:30 Std... klasse die einzige Zeit, welche du dir gesetzt hast, auf die Minute erreicht. Jetzt noch 24 km locker radeln und dann kommt der Endspurt...
Es geht nun überwiegend bergab oder flach weiter.... langsam fahren, dachte ich... entspann Dich... meine Beine haben da was anderes gesagt: "beweg uns, sonst machen wir zu" - also habe ich gekurbelt.
Der Regen ist noch einmal stärker geworden und jeder hat seinen Kommentar losgelassen: "Regen bringt Segen, ich bin ab morgen Papst" oder "War das schon alles, lieber Gott? Komm, da geht doch noch mehr!" .... 2 km später sind wir im
!!! NEBEL !!! gefahren....
Bei mir war dann der Punkt erreicht: ich habe nur gedacht auf geht’s, bei Sonne kann jeder... und Ratz Fatz war ich vor der 10% Steigung in Niederlibbach, welche gleichzeitig den Endspurt für mich eingeläutet hat....Also die 1 km hoch und dann nur noch ca. 16 km zur Platte hoch...
Spätestens ab hier war ich froh, die Strecke mit Roli abgefahren zu sein.... hier hat sich gezeigt, wer seine Körner vorher schon verschossen hat und wer nicht.... waren doch einige die beim "The Hammer" abgestiegen sind....
Oben angekommen, dachte ich, klasse jetzt locker mit hoher Umdrehung zur Platte Hochradeln und dann 8 km abfahren und dann ist es auch schon fast vorbei.... mit der guten Laune......plötzlich kam meine Angst vorm Laufen wieder.... verdammt, dann habe ich noch 21 km in meiner Lieblingsdisziplin.... ich geh jetzt erst einmal pinkeln....
Die Platte kam schnell und meine Laune stieg... dachte... hey, so schlimm war das gar nicht.... fühle mich gut fürs laufen....
nach 3:36 Rad geht’s auf die Laufstrecke.... jede Runde ein Gel und immer was trinken und dann geht das schon....
Du kommst in den Bereich ums Kurhaus rein und hörst fette Beat-Music.... ich schaue auf meinen Puls und denke, 155 - viel zu hoch, geh auf die Bremse..... beim Einbiegen in den Park höre ich auf einmal RAAAAALLLLLPH... ich war schon fast vorbei, sah dann aber Anja, Micha und die Eltern.... Puls wieder 156.... Mist :-)
Nach ca. 2 km höre ich nur ein "Servus" von hinten und ich dreh mich rum und höre nur ein Lachen, da ich wohl wie versteinert ausgesehen haben muss... Ich stammelte nur "Was machst Du denn schon hier???" ...Ja, mei... kam dann nur und das es auf dem Rad kalt geworden ist und er deshalb auf den Regen gesch*** und ordentlich reingetreten hat. Da war er, der Roli.... mir war zwar klar, das er mich beim Laufen einholen wird, aber das war mir dann doch a bisserl zu früh... (so viel zu "fahr langsam" liebe Micha!)
Die erste Runde verging wie in Trance, nur durch dreimaliges Pinkeln unterbrochen. Die zweite war zum realisieren und einmaligen pinkeln da... Mensch, da sind ja noch mehr Freunde auf der Strecke und feuern dich an.... irgendwie bin ich nur geflogen... die dritte Runde war nur zum genießen und die Freude, wieder bei den Freunden vorbei zu laufen.... ach so... pinkeln war ich auch noch...
Auf der letzten Runde kam mir Roli auf der anderen Seite entgegen und ich fing an zu rechnen, da ich auf keinen Fall unsere Supporter zum Zieleinlauf trennen wollte. Also Gas geben... Cola trinken und Augen zu. Ich merkte zwar, dass meine Oberschenkel so langsam zu gingen, aber was soll mir nach so einem Tag auf die letzten Km noch passieren....
Nach 6:38 Std. bin ich glücklich, entspannt und zufrieden ins Ziel "getragen" worden.
Zu dieser Zeit war der Roli bereits mit einer Zeit von 6:21 Std. im Ziel.
Ach so, wer sich fragt, ob ich in der letzten Runde auch noch einmal Pipi machen war... nach dem Zieleinlauf, als Roli und ich uns getroffen haben, uns männlich umarmt haben und unsere persönlichen Finisher-Shirts von unseren Lieben übergeben bekommen haben.... ich glaube, da mussten wir beide ein bisserl Pipi, weil wir da richtig realisierten, das wir nun Eisenmännchen sind. |