ATHLETEN INFOS - Athletenberichte - Steffen Hübner

Athletenbericht von Steffen Hübner

Auch ein ganz glückliches und stolzes Hallo von mir an alle Triathleten und die, die es mal werden wollen...

Ich traue mich seit 3 oder 4 Jahren regelmäßig zu einem Schnuppertriathlon in unserer Region etwas südlich von Berlin. Und nachdem ich ein leidenschaftlicher Radfahrer bin, ist eine gewisse Grundlagenausdauer vorhanden. Dabei passierte es, dass ich letztes Jahr im Gehirn eine Fehlzündung bekam und dachte: Du bist 30, du alter Sack - willst du nicht mal nen Marathon laufen? Naja, zum Glück fing ich mit nem halben an, den ich auch mit viel AUA beendete. Doch 3 Wochen später der nächste - und das AUA wurde weniger. Und da zwei halbe einen ganzen ergeben, ergatterte ich 3 Wochen vor dem Start einen Platz für den Berlin-Marathon. ...und da war wieder das große AUA vom ersten Lauf, aber wer komplett ohne Lauftraining einen Marathon in 4:08h beendet, der kann noch mehr. Und so gab es wieder ein Gewitter in meinem Gehirn, woraufhin ich mich beim 70.3 in Wiesbaden anmeldete... Wie bei vielen anderen auch, ich wollte mich selbst übertrumpfen und "dieses Ding" einfach nur durchstehen. Habe meine bisherigen Schwimm-, Rad- und Laufzeiten einfach mit einem schlechten Faktor multipliziert und mir gesagt,, dass ich bitteschön in spätestens 7 Stunden im Ziel sein könnte. Trotzdem war ich vernünftig genug und wußte, dass es in erster Linie auf das beenden ankommt.

Tja, Anreise 2 Tage davor. Schöne Fewo, ideale Verbindung in Wiesbaden. Leider bin ich der Hauttyp, bei dem der Wetterbericht schon für den ersten Sonnenbrand reicht. Und da wir am Samstag schon knuffige 30 Grad hatten, waren die leichten Rötungen bereits am Nachmittag gut zu erkennen. Zum Glück hatte ich mir extra Sonnenschutz mit LSF 50(!!!) für Kinder gekauft, sonst wäre ich vor dem Rennen schon gar gewesen. Zumindest genoß ich die Organisation und den ganzen Rummel im Vorfeld sehr. Am Abend sollte es zeitig ins Bettchen gehen, aber irgendwie behielt die Aufregung doch die Oberhand - hat zumindest den Vorteil, dass man nix vergißt, weil mir wirklich alles durch den Kopf ging.

Frühmorgens wurde konnte ich meinem Wecker sagen, dass er nicht klingeln bräuchte, war ja eh wach. Frühstück war bei mir wie immer auf Nudeln beschränkt. Obs hilft, weiß ich nicht und ist mir auch egal. Es schmeckt und ich hab ein gutes Gefühl. Kurz nach 6 ging es mit dem Bus los und dann weiter zum Hafen. Alles war vorbereitet, an alles gedacht. Hatte sogar Vaseline für die Beine und Achseln mitgebracht, dass man sich nicht wundläuft...

ABER: genau hier setzte das akute Vergessen ein. Vaseline schnell in den weißen Beutel und auf den LKW geschmissen. Echt klasse. Aber egal. Ich bin heute hier, um  mich selbst zu besiegen. Irgendwann zwängte ich mich in den quasi nagelneuen Neo, wobei ich lange überlegte, ob das Sinn macht. Das Wasser war warm und als Brustschwimmer, die eh beliebt sind, wie ein Kaktus am Nacktbadestrand, brauche ich den Nebeneffekt des zusätzlichen Auftriebes eigentlich nicht. Nun ja, lass es so. Irgendwann kamen die ersten Profis schon wieder aus dem Wasser und kurz darauf krebste ich schon in einem Pulk hoch motivierter Schwimmer zur Startlinie. Was gäbe ich jetzt für eine Toilette.... Und eine Eingebung sagte mir - du bist im Wasser, in einem Hafenbecken. Lass laufen... Ätsch, geht nicht! Ich steckte wie die Wurst in der Pelle und konnte nur hoffen, dass ich es einfach ausschwitzen würde.

Startschuß, das Wasser kochte - die tobende Meute schien zu winken, ach nein, die können alle kraulen. Naja, brav hinten dran und lass sie ziehen. Doch irgendwann willst du dein Tempo schwimmen und da nerven diejenigen, die ja sooo schnell kraulen, dass du doch gern überholen möchtest. Und dann hast du noch die, die nicht orientieren können und vor dir Zickzack schwimmen. Ich nahm mir vor, meine Beine einigermaßen zu schonen und fand mein Tempo. Die Strecke war traumhaft: reinspringen, schwimmen, umdrehen, schwimmen und raus. Leider waren die beiden Schwimmeinheiten ziemlich zeitintensiv... Aber nach gut 42min verließ ich das Wasser.

Jetzt schnell den Neo aus und rauf aus Rad. Um mein Radel herum war es schon leer geworden und eine der netten Damen gesellte sich gleich zu mir. Nachdem ich Schuhe angezogen und Brille aufgesetzt hatte, griff ich mein Radel. Da sagte sie noch, dass ich den Helm nicht vergessen sollte. Mist, das akute Vergessen von vorhin war chronisch geworden. Also Helm auf, wieder das Rad geschnappt und... Halt, ich sollte bitte noch an das Startnummernband denken. Das darf doch nicht wahr sein - also Rad wieder in den Ständer und Nummernband um. Jetzt sauste ich aber los, doch was war das schon wieder. warum wackelte meine Triathlon-Trinkflasche (die, die vorn im Lenkeraufsatz klemmen) so sehr - das Grausen fand keine Ende, ich hatte vergessen, das vordere Sicherungsband anzutüdeln. Also rannte ich nach dem "du kannst jetzt aufsteigen" noc h ein paar Meter weiter, um den Weg für andere frei zu machen und befestigte die Flasche noch schnell. Jetzt konnte die Aufholjagd beginnen - Faris, ich komme :-)

Die Straße aus Wiesbaden raus war der Hammer, ich fuhr dierkt mit Übersetzung 52/12 und knapp 40 los, hatte Angst vor den Bergen, die noch kommen würden, doch ich kurbelte wirklich völlig entspannt. So ließ ich viele Konkurrenten hinter mir und genoß tatsächlich die wunderschöne Landschaft. Doch dann kamen die Berge. Ich als alter Flachlandtiroler hatte mich darauf verlassen, dass es schon nicht so schlimm wird. Und richtig, es war gar nicht so schlimm, sondern sooooo schlimm... Von wegen - sehr geehrte Herren der Renneinweisung, wenn auf dem Tacho ne 12 steht, ist dieser nicht kaputt. Und was ist bei ner 8? Irgendwie wurde man dann aber von den netten Bergvölkern die Stegung hinaufgeschrien und durfte sich dann auf die erste Abfahrt freuen. Knapp 80 auf dem Tacho und der nächste klingelte nichtmal beim Überholen... So vergingen die km und etwa bei km 60 kam ein kleines Männchen und verbiß sich in meinen Oberschenkeln. Das hatte ich wirklich noch nie erlebt. Und da ich leider eher mit großer Kraftanstrengung, als mit großer Drehzahl fahre, konnte ich kaum noch Druck auf die Pedalen bringen. So dümplete ich dann vor mich hin, bis der letzte Berg, der "Hammer" kam. Zum Glück habe ich ein Rad von der Stange - mit nem 3er Kranz vorn. Der kleine 32er war mein rettungsring für diesen Berg. Bei allen Schmerzen und Krämpfen - den bezwing ich ohne abzusteigen. Und ich habe ich ihn bezwungen!!! Dann sollte die Abfahrt ins Tal nach Wiesbaden kommen - leider wehte ein laues Lüftchen mich fast rückwärts den Berg wieder hoch. Aber irgendwann kam die prophezeite Abfahrt, auf der man nichts machen mußte - 9% Gefälle auf 3km - einfach Kopf runter und mit 80 ins Tal rollern. Das war schön. Kurz darauf folgten ein paar Kurven und plötzlich Tumult auf der Straße. Da standen plötzlich Leute mit bunten T-Shirts rum, die uns die Fahrräder wegnehemen wollten. Die letzten km waren so schnell verflogen, dass ich gar nicht mitkriegte, dass schon wieder eine Wechselzone anstand. Ein kurzer Blick auf das Tacho verriet mir noch eine zurückliegende Fahrzeit von knapp unter 3,5h.

So stolperte ich in das Wechselzelt - hier nur schnell Helm runter und Laufschuhe an und weiter ging es. Die kleine Männchen mit dem doppelten Gebiß in meinen Oberschenkeln, woillte sich jetzt mit aller Gewalt nochmal in Erinnerung rufen. Aber es lagen nur noch 21km vor mir. Dank des chronischen Vergessens stellte ich fest, dass ich tatsächlich noch die Radhandschuhe anhatte. Mitschleppen?- Nee!!! Also überreichte ich sie einem Zuschauer als Fanartikel. Leider konnte ich sein Gesicht dabei nicht auf einem Foto festhalten- es war zu schön :-)  Aber so bin ich: wenn ich bei oder nach einem Wettkampf nicht lachen könnte, dann wäre etwas ganz doll schief gelaufen. So kam es auch, dass an den Verpflegungspunkten Eis angeboten wurde. Ich freute mich und sagte, dass ich gern 2 Kugel Erdbeer nehme. Ich glaube, die meinten was anderes....

Zumindest beherzigte ich den Vorschlag eines Freundes und ging durch jede Verpflegunszone. So mußte ich den Helfern die Getränke nicht aus der Hand reißen, kann in Ruhe trinken und das wichtigste: die Herzfrequenz sinkt in dieser halben bis einen Minute und du läufst danach entspannter weiter, als wen du dich durch die Verpflegungsgasse prügeln mußt. Genauso folgte ich dem Rad - danke lieber Micha - und setzte mir statt eines Einzelzieles (ankommen in unter 7h) viele kleinere Teilziele. Und eine 5km Laufrunde, mit 2 Verpflegungsstraßen und einem Punkt, wo es die lustigen bunten Bänder für absolvierte Runden gab, waren quasi schon 3 kleine Zielchen pro Runde. Und so tappelte ich meine 21km in 2:12h, wobei ich jede Runde wieder mein Erdbeereis bestellte. Sie kannte mich mittlerweile und grinste schon, wenn sie mich kommen sah. So muß Sport aussehen - Spaß haben und alles nicht zu verbissen sehen. Man soll das Leben sowieso nicht zu ernst nehmen, kommt eh keiner lebend davon!!!

Schließlich kam ich mit 6:27:irgendwas Stunden total glücklich und stolz wie ein Gockel ins Ziel, schaffte noch einen Sprung ins Ziel und seitdem verschwindet dieses dämliche Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht :-)

Ach ja - nächstes Jahr wieder, aber nicht Wiesbaden- will mich ja verbessern. Nächstes Jahr ist die Halbdistanz auch vor der Tür beim Berlinman zu schaffen.

Allen viel Spaß

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