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Bericht von Roland Kretschmer
Ironman 70.3 am 10.8.2008 in Wiesbaden
Teilnehmerbericht M50, 190 cm, 83 kg
Nachdem ich den letzten Triathlon 2007 noch als Zuschauer von meinem Wohnort Walluf (liegt am Beginn der Radstrecke) verfolgt hatte, kam der Gedanke auf, es auch einmal zu probieren.
Mit dem sportlichen Hintergrund von 25 Jahren relativ intensiver Leichtathletik (Langsprint und Mehrkampf), Kletter- und Hochtourenfestigkeit sowie (veranlagungsbedingt?) gesunder konditioneller Grundlage im Kraftausdauerbereich, sollte ein knappes Jahr Vorbereitung dazu ausreichen.
Ich habe dabei kurzes intensives Training bevorzugt, auch auf dem Rad. Schwimmtraining gab es nicht, bis auf einen Versuch im Juni. Nach 2km im Eltviller Freibad bei regem Publikumsverkehr und Taucheinlagen unter der Absperrung zum Nichtschwimmerbereich hindurch in einer Zeit von 40 Minuten musste das reichen.
Hinzu kam noch eine „Trainingseinheit“ im Schiersteiner Hafen am Donnerstag vor dem Wettkampf, um den eigens erworbenen Neoprenanzug einzuweihen.
Startunterlagen am Freitag, Athletenbesprechung, Zusammenstellung der „Farbbeutel“ und „Einchecken“ des Materials am Samstag. Bereits hier wird deutlich, dass die Organisation wirklich absolut professionell abläuft, Glückwunsch und Dank in diese Richtung.
Der Sonntag beginnt um 7:00 in der Wechselzone 1 mit „Aufmunitionierung“ des Fahrrads und letzten Handgriffen. Das nervöse Aufpumpen der Reifen verkneife ich mir nach der Warnung der Wettkampfleitung vor platzenden Reifen. Start der Gruppe M50-M70 ist um 9:10; passenderweise ist (silber-)grau die Farbe unserer Badekappen.
Bis dahin Aufwärmen, Gymnastik, Beobachten, wie der Startvorgang überhaupt abläuft. Die Zeit vergeht schnell, nicht zuletzt dadurch, daß das Anlegen des Neoprenanzugs eine ganze Weile dauert.
Schließlich werden alle Grauen eingepfercht und gelangen über die Rampe ins Wasser und bis zu Startlinie, wo es pünktlich um 9:10 losgeht. Nach anfänglichem Gerangel mit fremden Händen an den Füßen und fremden Füßen im Gesicht wird es ruhiger, weil sich alles längs und quer verteilt.
Die Orientierung wird dadurch erschwert, daß beide Bojenreihen gelb sind, so daß ich irgendwann versehentlich zwischen die Reihen gerate und schließlich durch ein Boot wieder auf den richtigen Kurs gebracht werde; einige Meter und Sekunden umsonst.
Nach der Wende geht es irgendwie schneller, obwohl noch 1.000 m zu schwimmen sind. Stolz werden jetzt auch die Nachzügler aus der 10 Minuten vorher gestarteten „grünen“ Gruppe passiert. Andererseits kommen torpedoartig drei „Blauhelme“ vorbei gerauscht aus dem 10 Minuten später gestarteten Staffelwettbewerb, aber die gehören ja nicht recht dazu. Nach ca. 38 min kommt dann der Ausstieg.
Wahrscheinlich durch den ungewohnten Anzug, der wohl den Beinschlag behindert, habe ich leichte Krämpfe auf der Rückseite beider Oberschenkel und komme deshalb in leichtem Seemannsgang über die Rampe.
Interessant wäre es zu wissen, was der Anzug jetzt eigentlich gebracht hat; ich vermute fast: nichts. Allenfalls hat er durch sein Auftriebsverhalten dafür gesorgt, daß die Beine tatsächlich entlastet und geschont wurden, wobei die Krämpfe eher gegen diese These sprechen.
Zum Wechsel 1 habe ich das Zelt gewählt, da ich mich mit der Vorstellung, mit feuchter Bekleidung zu fahren, nicht anfreunden kann. Zum Wechseln der Kleidung lasse ich mir Zeit (lt. Wettkampfprotokoll immerhin 10 Minuten).
Als Rheingauer ist mir die Radstrecke bekannt, an einem Stück abgefahren bin ich sie vorher allerdings nur einmal in 3:15 Stunden, was mir relativ schwer gefallen war. In Anbetracht des vorherigen Schwimmens und des noch folgenden Laufens peile ich deshalb eine Zeit von ca. 3:30 an.
Walluf; Eltville, Kiedrich flache 10km, anschließend die Steigung hinauf nach Hausen, von der überall behauptet wird, es seien 8km (es sind in Wirklichkeit nur knapp 6). Bei Tempo 12 läßt sich der Anstieg aushalten. Verwunderlich ist, daß bereits hier einige Kollegen schiebend unterwegs sind.
Von Hausen geht’s abwärts ins Wispertal, hindurch oder vorbei an Obergladbach und Niedergladbach; der Schnitt verbessert sich hier merklich und nachhaltig, weil es relativ lange schnell geht. Das Wispertal aufwärts mit leichter Steigung bis zum Abzweig nach Springen und Kemel. Dort (am Abzweig) wird es auch gleich wieder steiler und am Ortseingang von Springen auch richtig steil. Zum Glück gibt’s in Springen Verpflegung. Die Freude darüber wird nur etwas dadurch getrübt, dass man sich aus Springen mit einer weiteren relativ steilen Rampe verabschiedet, bei der einem der klebrige Riegel fast im Hals stecken bleibt.
Nach dieser Rampe geht es leicht auf und ab bis Kemel und dort links ab in Richtung Laufenselden. Auch aus Kemel heraus gibt es erst noch einmal einen kurzen Anstieg. Hinter Laufenselden geht’s noch einmal leicht aufwärts ehe dann eine längere Abfahrt auf schlechter Straße mit vielen Kurven bis auf die B54 folgt. Dort rollt es gut, allerdings nicht lange, denn dann geht es schon links ab leicht aufwärts nach Breithardt, wo die 2. Verpflegungsstelle wartet.
Ab da leicht hügeliges Gelände mit noch einem Anstieg hinter Michelbach, glaube ich, und einer erholsamen relativ geraden Abfahrt. In Strinz-Margarethä dann die 3. Verpflegungsstelle. Ab da geht es dann ansteigend über Nieder-Libbach und Ober-Libbach auf die B417. Die letzte Rampe („The Hammer“) vor der B417 ist sehr steil, aber dafür auch sehr kurz mit viel Zuschauerunterstützung.
Auf der B417, die über die Platte nach Wiesbaden zurückführt, ist es öd und außerdem starker Gegenwind. ZumGlück wechseln sich leichte Gefälle- und Steigungsstrecken ab, so daß der Punkt „Platte“ mit der Höhenangabe 500 m ü.NN. doch schnell erreicht wird.
Die anschließende Abfahrt ist rasant und führt permanent abwärts bis zur Wechselzone 2 am Kurhaus.
Ehe ich mich versehen habe, ist nach 3:25 Stunden plötzlich mein Rad weg und andere hilfreiche Hände übergeben mir den roten Beutel mit der Laufausrüstung. Im Zelt bekomme ich alle Denk- und Handarbeit abgenommen, sogar nach dem geplanten Verbleib der Sonnenbrille werde ich gefragt, die jetzt nicht mehr benötigt wird.
Die Wechselzeit beträgt hier auch nur ca. 4 Minuten, nachdem es beim Schwimmen noch 10 waren.
Das Laufen lässt sich gut an, keine Krämpfe oder sonstigen Probleme. Auch auf dieser Strecke sind die Verpflegungsstellen optimal organisiert. Lediglich die Kinder, die die weggeworfenen Becher usw. einzeln per Hand einsammeln müssen, tun mir leid.
Das Protokoll zeigt mir, daß ich die ersten 7 km in 35:40 min. gelaufen bin. Leider meldet sich am Ende der ersten Runde ein altes Leiden, das mich regelmäßig heimsucht: die rechte Achillessehne schmerzt und das nicht zu knapp. Der Abdruck vom rechten Fuß wird von Schritt zu Schritt unangenehmer, was sich wiederum auf den gesamten Bewegungsablauf nachteilig auswirkt. Das Laufen macht keinen Spaß mehr und das Zählen der km beginnt, nicht aus Erschöpfung sondern wegen des Schmerzes. Die beiden weiteren Runden fallen deshalb auch mit 40:11 min und 45:31 deutlich ab. Auftrieb gibt dann noch einmal das schwarze Armband und jetzt auch die Gewissheit, in jedem Fall anzukommen, was dann auch in einer Zeit von knapp unter 6:20 Stunden gelingt.
Fazit:
Ein sehr gelungener Wettkampf, ein Lob den Organisatoren und auch allen anderen Teinehmern für durchgehend faires Verhalten.
Roland Kretschmer
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