ATHLETEN INFOS - Athletenberichte - Kurt Hüttl

Erfahrungsbericht von Kurt Hüttl (absoluter Neuling)

Ein Traum wird wahr

Es begann eigentlich alles im Jahr 2007. Als ich mit meiner Frau zusammen eine gute Freundin beim Ironman 70.3 in Wiesbaden betreute und verpflegte. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass es so eine Veranstaltung überhaupt gibt. Bis dato kannte ich nur den Ironman in Frankfurt. Völlig angesteckt von der wahnsinnig tollen Atmosphäre bei diesem ersten Event in Wiesbaden, sagte ich viel zu leichtfertig: Da mach ich nächstes Jahr auch mit! Von diesem Zeitpunkt an ließ mir der Gedanke wirklich keine Ruhe mehr und ich wurde von unserer „Finisherin“ permanent an die Anmeldung erinnert. Im November war es dann soweit, ich hatte mich für den 10.08. angemeldet. Oh Gott was hatte ich getan. Ab jetzt gab es kein zurück mehr und ich stürzte mich in Lektüre und Training. Ich, 178 cm, 96 kg, Null Ahnung von Ausdauersport und Konditionell schwach, legte also einfach drauf los. Aber immerhin gab es schon einen Schlachtruf: „HEFE“ Warum wohl?

10.08.2008 Der Tag der Wahrheit:

Obwohl ich die Nacht zuvor hervorragend geschlafen hatte, bereitete ich mein Fahrrad total nervös vor. Noch einmal Reifendruck prüfen und nachpumpen. Nachdem ich mit allen Vorbereitungen soweit fertig war, fragte ein anderer Teilnehmer, ob er meine Pumpe auch mal haben kann. Das Ding ist von Oma und hat so seine eigenen Gesetze, aber ich gebe sie ihm und helfe natürlich. Als ich zu meinem Fahrrad zurückkehre stehen zwei andere Teilnehmer fassungslos um mein Fahrrad und fragen staunend, ob ich mit dem Ding antreten möchte. Klar sage ich, das Rad ist bergab unschlagbar. Sie lachen und antworten nur: „Respekt“. OK ein Rennrad wäre besser gewesen, aber ich wollte unbedingt mit meinem eigenen und nicht mit einem geliehenen Fahrrad unterwegs sein. Viel Geld für ein neues Rennrad wollte ich auch keins ausgeben. Nun kreisen meine Gedanken. Habe ich wirklich genug trainiert? Hhhmm… ich denke schon. Außerdem bin ich jetzt auch 10 Kilo leichter. Habe ich auch wirklich alles dabei? Blöde Frage; selbst wenn ich was vergessen hätte. Ich kann es ja eh nicht mehr besorgen. Schnell versuch ich mich wieder auf den Ablauf zu konzentrieren.

Die Lautsprecher dröhnen über den Fortgang des Ereignisses und Faris Al Sultan kommt als erster aus dem Wasser und saust uns zu seinem Fahrrad vorbei. Wow denke ich …das sind Sportler. Und schon kommt der Aufruf der M40 zur Startzone. Also nix wie rein in den neu erworbenen Neo, Badekappe und Brille in die Hand und dann schnell nach vorne, vorher noch mal kurz aufs Klo (die Schlange war jetzt wesentlich kürzer)….ich bin so was von nervös. Jetzt alle ins Wasser und an die Startlinie. Ich wollte eigentlich ganz hinten und außen starten und nun bin ich Mittendrin und innen. Was treibe ich hier eigentlich frage ich mich noch und schon fällt der Startschuss, wie ich hinterher erfahren habe sogar von Kurt Denk persönlich. Also ich lege los und finde nach etlichen Schlägen und Tritten durch meine Konkurrenten endlich meinen Rhythmus. Ich schwimme abwechselnd Kraul und Rückenkraul, so wie ich es vorher am Langener Waldsee geübt hatte. Es klappt hervorragend, nur die Zeit von 48.41 min. war 8 min. länger als im Training. OK hier waren ja auch mehr Leute.

Ich laufe unter tosenden Anfeuerungsrufen der Zuschauer in Richtung Wechselzelt. Einmal trocken legen, umziehen, auf zum Rad und ab nach vorne aus der Bike Area waren in 7,04 min. erledigt. Jetzt bis Kiedrich gut einfahren, damit es hoch nach Hausen gut läuft denke ich noch, aber schon werde ich von einem nach dem anderen überholt. Vielleicht hätte ich mir doch ein Rennrad zulegen sollen. Ich kann es jetzt sowieso nicht ändern also weiter. Ich quäle mich nach Hausen hoch, da …endlich erste Getränkeversorgung. Da meine erste Flasche schon leer war, kam dies genau zum richtigen Zeitpunkt. Und dann am Scheitelpunkt, meine Frau und meine Betreuerin. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie dort stehen würden und dann auch noch in diesen Fan T-Shirts mit meinem Schlachtruf „HEFE“. Der absolute Hammer; ich bekam eine Gänsehaut und Adrenalinschub. Ab jetzt ging die Sache wie geschmiert und ich sagte mir: Junge hau rein, das wird ein „geiler Tag“. Ich wurde zwar bis Springen immer noch von etlichen Teilnehmern überholt, das war mir aber egal. Ich kannte die gesamte Strecke vom Training her gut und ging diese in meiner Vorbereitungszeit auch immer wieder im Kopf durch, so dass ich mir die Kraft sehr gut einteilen konnte. In Oberlibbach kam dann aber das, wovor ich am meisten Bammel hatte; „The Hammer“. Gut das Ding ist nicht lang, aber ich hatte einen fürchterlichen Krampf ca. 150 m vor der B417. Dort stand aber schon ein weiterer Fanclub (Eltern, Schwiegereltern und etliche Freunde), ebenfalls mit Fan Shirts. Ich musste absteigen, der Schmerz war einfach zu groß. Schnell ein Tütchen Salz (hatte ich mir bei Mc Donalds geborgt) und Wasser hinterher. Mein Vater ermunterte mich weiter zu machen. Also ich wieder aufs Rad und weiter. Mein Dad, 71 Jahre und eigentlich seit Jahren Schmerzpatient, rannte neben mir bis zur B417 hinauf um dort schnell noch ein Foto zu machen. In dem Augenblick, war ich den Tränen näher als dem Lachen. Von dann an ging es trotz permanenten Gegenwinds ab, wie Haarspray. Von der Wiesbadener Platte runter mit Affengeschwindigkeit, noch ein paar Kurven bis zur Haltelinie, runter vom Bike, Rad abgeben und nach 4:26 Std. ab in die Wechselzone 2. Eine der vielen fleißigen Helferinnen schnappte sich meinen roten Beutel, rannte mit mir ins Wechselzelt und reichte mir ein Kleidungsteil nach den anderen. Schnell noch die Schuhe an, Pflaster auf die Brustwarzen und ab ging es (3.29 min). Kaum raus aus dem Zelt, da standen auch schon die nächsten Freunde und Bekannten. Schnell noch mein Schlachtruf „HEFE“ und weiter geht’s. Es ist einfach unbeschreiblich. Vor allem die vielen Zuschauer und Helfer, die einen immer und immer wieder ermuntern: Auf Junge….los Kurt… Du schaffst das. Ab km 11 wurde es schmerzhaft. Immer öfter musste ich zwischendurch gehen. Meine Hüfte und mein rechtes Knie wollten eigentlich nicht mehr. Ich dachte mir: „Du hast dafür bezahlt und außerdem stehen überall deine Freunde und Familie, also mach weiter“. Gut ich machte also weiter. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, ich kann es schaffen. Ich kann es tatsächlich schaffen! Dieser Gedanke beflügelte mich so sehr, dass ich auf der letzten Runde jedem im Kurpark zurief „Ich schaffe es“!

Klar schaffst Du das, höre ich jedes Mal als Antwort.

Enspurt:

Die letzten 500 m sind angebrochen. Ich spüre überhaupt keine Schmerzen mehr.

Mein Schwiegervater reicht mir vor der letzten Kurve das mitgebrachte Geschenk. Es ist ein „I Love you“ Kissen für meine Frau. Ich wollte ihr dies unbedingt noch vorm Zieleinlauf geben. Jetzt die Zielgerade, alle sind dorthin gekommen um mir zuzujubeln. Der Moderator von RPR1 erkennt mich sofort und feuert mich ebenfalls mit einem lauten „HEFE“ noch mal an. Er hatte wohl bereits Bekanntschaft mit meiner treuen Fangemeinde gemacht. Unter großem Jubel übergebe ich meiner Frau das Geschenk. Schnell noch einen Kuss und dann mit einen Freudensprung ab ins Ziel. 8:02.07 Std. Wahrlich keine Spitzenzeit, aber ich habe mein persönliches Ziel erreicht. Ich bin „FINISHER“ und es fühlt sich gut an. Vergessen sind die Schmerzen. Ich laufe sofort zu meinen Fans und dann gibt es erstmal ein frisches „HEFE“.

Fazit:

Diese Veranstaltung war und ist ein absolutes Highlight für Wiesbaden. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Helfern, den Organisatoren und den vielen tollen Zuschauern in und um Wiesbaden herzlich bedanken und freue mich schon auf das nächste Jahr. Ich habe schließlich noch eine Rechnung mit der Radstrecke offen. Diesmal aber mit richtigem Rennrad.

   

   

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