ATHLETEN INFOS - Athletenberichte - Boris Rentschler

Bericht von Boris Rentschler

Ironman Germany 70.3 Wiesbaden
"Einer der schönsten halben Tage im Leben"

Da ich schon auf der Ironman-Homepage alle Athlethenberichte gelesen habe und diese für Triathlonneulige sehr interessant finde, habe ich mich heute entschlossen auch meine Erlebnisse von Wiesbaden zu schildern.

Vorneweg:
Wiesbaden war mein erster Triathlon überhaupt außer zwei Marathons 06 hatte ich noch keine Wettkampferfahrung. Als ich im Februar den Entschluß fasste mich anzumelden wurde ich von meinem bekanntenkreis nur müde belächlet und gefragt ob ich noch alle Tassen im Schrank und nicht lieber mal klein Anfangen will. Ich Entgegnete nur das Sie bein meinem Marathondebüt die gleiche Meinung hatten und ich es doch durchgezogen hatte!

Schließlich meldete ich mich an und es gab keinen Rückzieher mehr. Als ich mir nun meinen Trainingsplan zusammenstelle ergaben sich einige Probleme. (1 Frau, 2 Kinder und 6 mal die Woche 16h arbeit). Als mir meine Frau grünes Licht gegeben hatte konnte es allerdings losgehen. Da ich morgens mit Ihr und den Kindern gegen 6:30 Uhr aufstehe (Familienfrühstück) aber erst um 10:00Uhr zur Arbeit muß legte ich meine Trainingseinheiten zwischen 7:00 Uhr und 10:00Uhr am Morgen. Die langen Radeinheiten legte ich auf meinen Freien Tag früh morgens damit ich wieder zu Hause war, wenn die Kinder von der Schule kommen.

Bei meinem Trainingsplan hielt ich mich an das neue Buch von Faris Al Sultan das perfekt für mich war. Der dort Aufgeführte Trainingsplan sieht keinen ultralangen Einheiten vor sondern oftmals kurze aber sehr intensive, was mir mit meinem knappen Zeitbudget sehr zu gute kam.

Soweit zu meiner Theorie. Jetzt sollte es losgehen.
Durch meine zwei Marathons letztes stellte das Laufen für mich das kleinste hinderniss da. Radfahren war für mich auch keine neue Disziplin da ich fürher ca. 4000km im Jahr gefaren bin.
Schwimmen allerdings bereitete mir bis zum Start starke Magenschmerzen.

Im Februar ging es also los 4 kurze Einheiten die Woche max. 2h (1x schwimmen und 3x laufen) und dank des milden Winter eine lange Radeinheit die Woche. Als Vorbereitung meldete ich mich noch beim Bienwald-Halbmarathon, Mannheim-Marathon und dem Speyrer-Brezelfestlauf (8km) an.

Diese Trainingsplanung hielt ich zu 90% durch wobei sich in den letzten 3 Monaten vor dem Start das Radtraining in den Vordergrund schob.

Dadurch das bei uns ein neues Schwimmbad gebaut wurde und das alte im April schloß viel das Schwimmtraining aus und wurde von mir Ignoriert.

Die Lauf und die Radform stiegen bei mir prächtig an. Im Juni gönnte ich mir noch ein neues Canyon Triathlonrad das mir die Freude am Radfahren noch versüßte. Der Halbmarathon und der Marathon liefen ohne große Probleme.

Am 8 Juli beim Brezelfestlauf sollte noch einmal ein kurzer aber knackiger Härtetest anstehen.
Die letzten 2 Wochen vor dem Lauf war es sehr kühl bein uns und durch mein morgentliches Training hatte ich nie mit großen Temperaturen zu kämpfen.
Am morgen des Laufes stellte sich dann ein Hoch ein und die Temperaturen gingen Mittags über 35C was mir keine großen Sorgen machte hatte ich doch mit Hitze noch nie große Probleme.
Ich nahm mir vor das Rennen schnell anzugehen und abzuwarten wie lange ich damit durchkomme.

Die ersten 3 km lief das auch ganz gut doch dann machte mir die Hitze zu schaffen und ich schlich nur noch um den Kurs. Mein Puls wollte nich mehr unter 180 Schläge gehen. Am Ende standen 44:00 Minuten zu buche. Selbst für mich der nicht sonderlich schnell, aber dafür lange laufen kann eine misserable Zeit. Die Zuversicht bekam einen ersten Dämpfer. Ich trainierte aber weiter wie bisher. Anfang August eröffnete dann das neue Schwimmbad und dachte dann auch mal langsam wieder an das Schwimmen. Den neuen Neo den ich mir schon vor Wochen gekauft hatte lag imme ´noch zu Hause in seinem Karton.

Am 9. August beschloss ich dann doch das Schwimmbad aufzusuchen. Den Neo ließ ich zu Hause da mir das doch etwas Affig bei all den Leuten vor kam. Ich schwam die 1,9km gleich im Kraulstil durch in 55 min. was für manche sich nicht sonderlich schnell anhört, mich aber doch zufrieden stimmte da das Zeitlimit bei 1h und 5min lag.

Eine Woche vor dem Start reduzierte ich dann mein Training und versuchte mich zu entspannen. Freitags packte ich dann alle Sachen zusammen um mich am Samstag morgen auf nach Wiesbaden zu machen. Ich war schon nervös und machte mir Gedanken ob ich alle Organisatorischen Sachen am Samstag hinbekomme, da ich ja null erfahrung hatte.

Die erste erfreuliche Nachricht gab es gleich morgens, ich brauchte 30min. weniger nach Wiesbaden als geplant und fand in unmittelbarer Nähe des Kurhauses einen perfekten Parkplatz für meinen Bulli in dem ich auch übernachten wollte.

Meine bedenken mit dem Pflichtprogramm (Startunterlagen, Bike-Check-In usw.) lösten sich in Luft auf, war doch alles mehr als perfekt Organisiert. Gegen 14:00 war ich mit dem Pflichtprogramm und ging erstmal zu Italiener Nudeln essen. Anschließend schlenderte ich noch über die Sport-Expo. Doch meine Angst vor dem morgentlichen Schwimmen im Schiersteiner Hafen wurde immer Größer stieß ich doch im Gespräch mit anderen Athleten auf verwunderung das ich mir einen Half-Ironman als ersten Triathlon ausgesucht habe. Da ich in der Alterklasse 25-29 Jahre startete beruhigte mich auch nicht, befanden sich doch auschließlich Triathloncracks.

Ich wollte mir die tolle Stimmung aber nicht versauen lassen, ging nochmals Nudeln essen und dann in den Bulli schlafen.
Nach einer kurzen nacht in der ich oft aufwachte klingelte um 5:30 Uhr der Wecker.

Schnell packte ich meine Sachen und lief zu Shuttelbus der auch nich lange auf sich warten ließ und mich mit den anderen Athlethen zum Schwimmstart nach Schierstein brachte. In der Wechselzone angekommen wuchs meine Angst, standen doch um mich rum durchtrainierte Topathleten  bei denen ich mir etwas deplaziert vorkam. Dennoch stand mein Entschluß fest das Ding hinter mich zu bringen und voll dagegen zu halten. Um 8:05 Uhr wurden wir zum Schwimmstart gerufen nachdem kurz zuvor die Profis ins Wasser gingen. Dies war das letzte an diesem Tag das ich von den Profis mitbekommen sollte.

Nun ging es ins Wasser. Der Start lag ungefähr 100 Meter weiter im Wasser. Ich stieg zum ersten mal mit einem Neo ins Wasser und ich fühlte mich gut. Nun überwiegte die Freude das es losging. Ich nahm mir vor mich beim Start etwas nach hinten fallen zu lassen um nicht im gewühl gleich allen mut zu verlieren. Wollte aber auch nicht zu weit hinten Starten wollte ich doch in meiner Situation jeden Meter sparen. Dann der Startschuß und es ging los. Alle theorie zählt nun nicht mehr. Ich schwam gleich voll an und hatte zu meiner Überraschung ein tolles Gefühl. Nach 200 Metern nahm ich etwas raus und fand zum ersten mal in meinem Leben beim schwimmen einen Rhytmus. Zu meiner Überraschung befand ich mich im Mittelfeld meiner Altersgruppe.
Ich nahm mir erst bei der Wendeboje auf die Uhr zu schauen. Dort angekommen standen 20 Min. für die erste Hälfte zu buche. Für manche von euch vielleicht langsam, für mich aber doch riesige Motivation hatte ich doch vorher noch Angst nicht die Karrenzzeit zu schaffen und jezt lag ich 25 min besser in der Zeit. Bei all der Freude konzentrierte ich mich denn ich musste ja noch zurück zum Ufer. Dies lief aber auch ohne Probleme und hatte ich doch auf einmal spaß beim schwimmen. Plötzlich sah ich bunte Fahnen über mir und nette Helfer hoben mich auf die Füße und schoben mich eine Rampe hoch in die Wechslezone. Das Schwimmen war vorbei in 44min. für mich grandios. Als ich an meinem Rad ankam standen dort noch fast die Hälfte der Rennmaschinen. Jetzt war ich Motiviert. Nun ging es aus der Wechselzone heraus auf die Radstrecke.

Dort lief alles ganz gut. Ich nahm mir vor mit meine Kräfte einzuteilen und an den Anstiegen nicht zu übertreiben. Das gelang mir sehr gut  und auch der 10% Anstieg The Hammer erklomm ich ohne Probleme. Die Streckenverpflegung war einfach perfekt. Die Stimmung selbst in den kleinsten Dörfern super. Die Strecke ansich ließ keine Langeweile aufkommen. Entweder ging es Hoch oder runter oder es gab Gegenwind. Nachdem der letzte Anstieg geschafft war ging es in einer rasenden Abfahr hinein nach Wiesbaden. Eine kurze Rechtskurve und eh man sich versah war man in der Wechslezone. Dort wurde einem von den superschnellen Herlfern das Rad abgenommen und eh ich mich versah hatte ich meine Schuhe an und war auf der Laufrunde. Die Stimmung war unglaublich. Man wurde angefeuert. Einzige sorgen machten mir starke Rückenschmerzen die von den vielen Anstiegen auf der Radstrecke stammten. Aber nach 3 Kilometern ging es wieder. Es galt 3 Runden a 7km zu absolvieren wobei am Kurhaus und in der Stadt der Bär los war konnte man im hinteren teil des Kurparkes etwas seine Gedanken sammeln. Die Laufstrecken war wirklich eine der schönsten die ich je gelaufen bin. An den Verpflegungstellen ernährte ich mich nur noch von Cola. Eh ich mich versah hatte ich schon das 3 Band um meinen Arm das mir signalisierte  das ich es geschafft habe und in den Zielkanal einbiegen darf. Plötzlich waren alle schmerzen vergessen und die Freude überwiegte. Wie in Trance überlief ich die Ziellinie und mußte aus Freude weinen. Auf der Zeittafel standen 7:04 h was ich mir nie zugetraut hätte bei meinem ersten Triathlon. Im Athleths Garden angekommen nahm ich gleich mein Finishershirt und meine Medaille entgegen. Körperlich ging es mir besser wie bei meinen Marathons. Nach dem Duschen rief ich gleich meine Familie an und mußte am Telefon wieder weinen. Alle waren stolz auf mich. Danach holte ich meine Wechselbeutel und mein Rad das wieder reibungslos funktionierte. Nach einem kleinen Essen im Athletes Garden und der Siegerehrung machte ich mich auf den Nachhauseweg wo ich schon mit Applaus empfangen wurde. Ich hatte es Ihnen gezeigt.

Bedanken möchte ich mich bei den Organisatoren und Helfern in Wiesbaden die einen mehr als guten Job gemachte haben und es den Athleten so leicht wie möglich gemacht haben. Das ist nicht selbsverständlich für ein Sportereignis dieser Dimension.

Auch danken möchte ich meiner Frau und meinen Kindern die mir die Zeit engeräumt haben mir diesen Traum zu erfüllen.
Und meinem Vater der als einziger von Angang an gelaubt hat das ich das schaffe.

Ich hoffe das dieser Wettkampf nächste Jahr wieder in Wiesbaden stattfindet. Es wäre ansonsten sehr schade. Ich bin auf jedenfall dann wieder mit von der Partie. Dann werde ich voll angreifen.


Mfg Rentschler Boris Startnummer 257

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