Es war irgendwann im März dieses Jahres, glaube ich, als ich aus dem Internet von dieser Veranstaltung erfuhr und es dauerte keine weiteren 24 Stunden, da hatte ich schon alle Bedenken beiseite geräumt und war für den stolzen Preis von 150 Euro angemeldet.
Und dann, am Sonntag, den 19.August war es dann soweit.
Halt !- Eigentlich hatte es ja schon am Vortag mit dem Rad Check-in , in der Wechselzone 1 am Schiersteiner Hafen begonnen.
Alles war perfekt durchorganisiert, von den Wettkampfbesprechungen in Deutsch und English mit Powerpoint Präsentation in einem Saal des altehrwürdigen Wiesbadener Kurhauses, über die Abholung der Startunterlagen , den kostenlosen Bustransfer vom Kurhaus zum Hafen, bis zum Einchecken des Rades mit technischem Check vor allem der Bremsen; ein Helfer oder eine Helferin begleitete sogar jeden Athleten zum Aufstellplatz. Schließlich erfolgte noch die Abgabe des roten Beutels mit den Laufsachen und des blauen Beutels für die Radutensilien.
Nach einer kurzen unruhigen Nacht (hattest du auch nichts vergessen?) , erreichte ich dann am Sonntag um 07:00 den Parkplatz des Real Marktes, von wo aus ein kostenloser Shuttlebus zum Hafen fuhr. Dort angekommen, überprüfte ich noch mal den Reifendruck (Luftpumpen stellte der Veranstalter zur Verfügung), legte alle Utensilien zurecht und reihte mich erst mal in eine der relativ kurzen Schlangen vor den Dixie-Klos ein.
Die Schwimmstarts erfolgten in Wellen, angefangen mit den männlichen und weiblichen Profis um 08:00 Uhr. Da wir alten Männer (M45-M70) die drittletzte Startgruppe bildeten, hatten wir Gelegenheit, direkt von der Wechselzone aus den Wechsel der Profis aufs Rad zu verfolgen und uns so schon mal auf den bevorstehenden Wettkampf einzustimmen.
Noch ein bisschen Smalltalk und Fachsimpeln mit Freunden und Bekannten, und dann hieß es sich in den Neopren zwängen.
Um 08:45 rückten wir in die Vorstartzone vor, behutet mit silbernen Badkappen. Das Wasser hatte mit 20,5 Grad Celsius eine erträgliche Temperatur.
Nach kurzem Einschwimmen sicherte ich mir einen guten Startplatz direkt vor der Startleine.
Startschuss- los ! – Nach 100m hatte ich mich aus dem Gröbsten freigekämpft und befand mich in der Gruppe der ersten 8-10, wobei sich zwei schnell nach vorne absetzten. Ich versuchte Anschluss zu halten und nach 900m hatte ich das Kielwasser des zweiten erreicht.
Ich blieb dran (wahrscheinlich war mein Vordermann leicht genervt), zusammen zogen wir an einigen AK 40igern und sogar an ein paar AK35igern vorbei . 200 m vor dem Ziel zog ich am bis dahin Zweitplatzierten vorbei und sicherte mir somit den 2. Platz der AK beim Schwimmen- ich befand mich in der Gesamtwertung zu dieser Zeit auf der 122. Position aller 1258 Teilnehmer.
Jetzt spurtete ich zu meinem Rad und legte mit 4 Minuten auch eine ganz passable Wechselzeit hin.
Nun hieß es die gefürchtet-berüchtigte Radstrecke über 1500 Höhenmeter in Angriff zu nehmen. Mit drei Radflaschen (1x Wasser, 2x Wasser-Maltodextrin-Mix) war ich, was den Proviant anging, gut bestückt. Auf keinen Fall wollte ich wie bei meiner letzten Trainingsfahrt zwei Wochen zuvor einen Hungerast bei km 75 erleben !
Zunächst lag jedoch erst mal ein ca. 6 km langes Flachstück bis nach Eltville vor uns. Gut zum „Einrollen“. Dann, ab dem Weinort Kiedrich, kam dann das, was auf dem Streckenplan als „Gnadenlos“ verzeichnet war. Nun zogen die Konkurrenten zu Dutzenden an mir vorbei. Mit 11km/h leierte ich den Berg hoch, im dünnsten Gang, nur nicht jetzt schon das ganze Pulver verschießen !.
Die Versuchung war allerdings groß , Stoff zu geben, denn an jeder Steigung hatten sich Zuschauer zu Stimmungsnestern formiert. Da der Vorname auf der Startnummer stand, wurde man namentlich ermutigt in die Pedale zu hauen.
Nachdem „Gnadenlos“ genommen war, ging’s dann in wunderbarer, kurviger Talfahrt nach Geroldstein. Während ich auf dem nächsten Anstieg nach Springen war , irgendwo bei km 25-30, rauschte etwas an mir vorbei. Das war die erste Frau aus der 15 min nach uns gestarteten Startgruppe aller nicht-Profi Frauen gewesen – Wow !
An der Steigung aus dem Ort Kemel in Richtung Laufenselden hatte sich wieder eine Menschenmenge postiert. Ein älterer Herr, offensichtlich vom Fach, schaute auf meine Schaltung und meinte doch ganz frech: „Du fährst aber einen dünnen Gang“ ! – Um ihm etwas zu erwidern fehlte mir der Atem und die Zeit. Ich hätte zum Beispiel sagen können: „Wenn du hinterher noch einen Halbmarathon durchstehen willst, fährst du lieber jetzt dünn“. Oder ich hätte selbstironisch erwidern können: „Wer dick ist, fährt halt dünn“ . Apropos: Ich bin ja jetzt nicht so der Bergfahrer, muss nun mal immer die 90kg mitschleppen, aber was ich da an Bierbäuchen vor allem unter den jüngeren AK s überholt habe... Respekt Jungs, dass ihr Euch an diese Strecke wagt !
Bei km 30 und gab es Trinkflaschen wahlweise mit Wasser oder Elektrolyt, ich griff zu letzterem, und nahm noch ein Tütchen Kohlehydrat-Gel mit- bloß den Hungerast vermeiden !
Aller Proviant würde einem von freundlichen Helfern entgegengestreckt- bei der Gelegenheit: Vielen Dank an euch Helfer , das war Spitze !
Bei km 60 schaute ich auf die Uhr und musste zu meiner großen Freude feststellen das ich gut im Plan lag – eigentlich ist das untertrieben: eine Radzeit von 3std 40min hatte ich mir vorgenommen; jetzt sah es eher nach 3std 20min aus. Jetzt weiter so, aber nicht überpesen.
Vor uns lag jetzt noch „The Hammer“ von Ober-Libbach, ich denke die Steigung auf den letzten 150 m bis zur B417 war deutlich steiler als 10 %.
Damit hatte es aber mit dem Bergauffahren noch kein Ende; weitere ca. 10km bis zur 500m hoch gelegenen „Platte“ lagen noch vor uns.
So kurz vor dem Ende der Radstrecke wurde vor mir jetzt ein Teilnehmer vom Kampfrichter rausgewinkt und angehalten - und bekam einen fetten roten Strich auf seine Startnummer- 6 Minuten Zeitstrafe wegen Windschattenfahren, vermute ich mal.
Jetzt endlich, was für ein Anblick: das kleine braune 500m Höhenschild der „Platte“, von nun an ging’s bergab. Aber wie ! Ohne weiteres Zutun zeigte der Tacho bald deutlich über 70km/h an. Jetzt ging alles ganz schnell; das Ortseingangsschild von Wiesbaden flog vorbei, dann nach rechts ab Richtung Kurhaus, der letzte km war Überholverbotszone, aus Sicherheitsgründen.
Die Füße hatte ich schon aus den Pedalen, jetzt an der Haltelinie absteigen, das Rad wurde mir abgenommen, der rote Beutel gereicht – und – jetzt hatte ich einen Aussetzer- wo lang geht’s denn jetzt bitte schön zur Wechselzone ? - ich vermute mal die Helfer konnten gar nicht verstehen was ich eigentlich wollte- war ich doch gerade auf Strümpfen mit dem Beutel und den Laufschuhen darin durch das Zelt gerannt- ja und dieses Zelt war die Wechselzone- meine Güte ! - Übrigens denke ich mal, dass ich dabei schon die Kontaktmatte überlaufen hatte, denn mit 33 Sekunden hatte ich laut Ergebnisliste die 9.-schnellste T2 Wechselzonenzeit überhaupt- gut für die Statistik, blöd für mich. Naja ein paar Sekunden hatte mich das schon gekostet.
In der Zwischenzeit war ich übrigens bis auf AK Position 55 durchgereicht worden.
Schuhe an, Helm in die Tüte und ab. Die Handschuhe hatte ich in der Hektik angelassen, habe sie dann nach einem Kilometer in einen Mülleimer geworfen, waren sowieso abgenutzt.
Für den abschließenden HM hatte ich mir eine Zeit von 1 Stunde 55 Minuten vorgestellt. Da ich bei 03Stunden 59 Minuten gewechselt hatte, war das Traumziel die 6 Stunden-Marke zu knacken, in greifbare Nähe gerückt !
Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, waren die Steigungen. Davon hatte in der Streckenbeschreibung aber nix gestanden ! – 3x 7km waren zu bewätigen, auf der zweiten Runde spürte ich die Steigungen, na wenigstens ging’s immer erst bergauf und dann Richtung Kurhaus wieder bergab. Auch hier standen ausreichend Versorgungspunkte zur Verfügung.
Ich führte mir immer abwechselnd Iso und Wasser zu- 1 Liter ist da bestimmt zusammengekommen. Ich fühlte mich super. Eine kleine Krise hatte ich auf der zweiten Runde, aber alles in allem hielt sich der Einbruch in Grenzen . Auch hier waren die Fans wieder voll im Einsatz, die Begeisterung kannte keine Grenzen. Bei km 17 war mir klar, dass ich unter 6 Stunden bleiben würde; dies und die Aussicht auf die Annehmlichkeiten des „Athletes’ Garden“ hinter dem Ziel, frei übersetzt „Garten Eden“, mobilisierte die letzten Kräfte in mir . Auf den letzten 100m Metern flog ich förmlich dem Ziel entgegen und überholte sogar noch einen Läufer.
Im Ziel angekommen, fragte mich ein besorgter Helfer, ob es mir denn gut ginge. „Jaja“, meinte ich , „alles OK- sehe ich denn so schlecht aus“. „Naja“, bekam ich zur Antwort, „ein bisschen blass um die Nase bist du schon“ .
Aber ich fühlte mich super ! – In 05:57.37 gefinished !
Nun, hier im Garten Eden, gab es eine leidlich warme Dusche , eine Massage (für die man allerdings 40 Minuten anstehen oder –sitzen musste) und ein ansehnliches Buffet, natürlich alles im Startgeld inbegriffen.
Keine Frage : nächstes Jahr sehen wir uns wieder, Wiesbaden !
eute, zwei Tage nach dem Wettkampf habe ich noch Muskelkater in den Oberschenkeln- schönen Gruß von „The Hammer“ !